Digitales Erinnern

“Die digitalen Speicher haben die Gesellschaft ihrer Fähigkeit zum Vergessen beraubt und ihr stattdessen ein umfassendes Gedächtnis verliehen. Ein Gedächtnis, das unfrei macht, weil jeder unserer Schritte, jeder fixierte Gedanke kontrollierbar wird. Ein Gedächtnis, das es erlaubt, unsere Worte und Taten umfassend zu rekonstruieren.”

So drastisch beschreibt ZEIT ONLINE die Tatsache, dass alles, was wir ins Internet stellen, dort für immer gespeichert ist. Soziale Netzwerke wie Facebook werden rege genutzt und mit persönlichen Informationen vollgestopft. Mit der Einführung der Timeline im letzten Jahr kann man seine ganze Lebensgeschichte noch detaillierter auf Facebook veröffentlichen. So konnte ein Nutzer bei Einführung der Timeline zunächst freiwillig entscheiden, ob er denn auf diese Ansicht umstellen will oder das Profil beim alten Design lassen will. Hat der Nutzer sich dazu entschieden, die Timeline zu nutzen, blieben im zuerst sieben Tage Zeit, seinen digitalen Lebenslauf zu bearbeiten, bevor er dann für die Facebook-Freunde sichtbar war. Nutzer, die noch nicht auf die Timeline umgestiegen waren, hat Facebook die Entscheidung abgenommen: Im Verlauf des Jahres wurden sämtliche Profile automatisch auf die Timeline-Ansicht umgeschaltet (Stern.de – Facebook zwingt zur Timeline Chronikpflicht für alle).

Das heisst also, dass man theoretisch durch Facebook genau verfolgen kann, wann wer wo mit wem war, wann er welche Fotos aufgenommen hat, wann er eine neue Stelle angefangen hat bzw. gekündigt hat, wann und wohin er umgezogen ist usw. Vorausgesetzt natürlich, der Nutzer hat diese Informationen auf Facebook gespeichert.

Nun könnte man sagen, postet nichts mehr auf Facebook, am Besten, meldet ihr euch gleich ab. Problem dabei ist, dass wir in einer Zeit leben, in der so etwas fast nicht mehr möglich ist. Will man mit Freunden in Kontakt bleiben, die vielleicht an einem anderen Ort studieren, bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als sie über das Internet zu verfolgen.

Beziehungen sind erst offiziell, wenn die beiden auf Facebook ihren Beziehungsstatus geändert haben. Parties werden quasi nur noch über Facebook geplant. Fotos auf Instagram geteilt.

Fotoalben gehören der Vergangenheit an. Tagebücher werden durch Blogs ersetzt, Briefe durch Email. Doch was davon heben wir auf? Ein Tagebuch fortzuwerfen reut uns eher, als einen Blogeintrag zu löschen. Emails verschwinden irgendwo im Netz und werden automatisch nach so und so viel Tagen gelöscht.

Wir erinnern uns zwar, doch die Erinnerungen werden flüchtiger.

Hier ein weiterer Artikel zum Digitalen Erinnern:
Süddeutsche.de – Wie wir uns im digitalen Zeitalter einnern

Meine Daten?

Akzeptieren. Akzeptieren. Akzeptieren. Ohne gross zu überlegen lassen wir Facebook und Co. unendlich viele Daten über uns speichern. Dass die Daten dann statistisch und mehr oder weniger anonym ausgewertet werden ginge ja noch. Mühsam wird es wenn unsere Emailadressen an Dritte weiter gegeben werden und wir anschliessend unzählige Spam Mails bekommen, in denen die schönsten Ferienorte und die neusten Gadgets feil geboten werden.

Wenn andere davon erzählten, wie ihre Kreditkartennummern abgefragt worden seien, dachte ich immer, dass mir so etwas nie passieren würde. Doch gerade letzthin wurde ich eines anderen belehrt. Ich erhielt eine sogenannte Phishing Mail. Phishing Mails sehen sehr offiziell aus und fordern den Leser in der Regel auf, einen Link zu öffnen in welchem anschliessend Daten, wie eben zum Beispiel die Kreditkartennummer, angegeben werden sollen.

Doch nicht nur Emails nerven. Wir melden uns bei unglaublich vielen Diensten an und lassen diese meist auch noch auf unsere Fotos oder Adressdaten zugreifen. Und anschliessend empören wir uns darüber, dass unsere Fotos unwissentlich irgendwo im Internet auftauchen. Genau so wie sich nun die Nutzer der App ‚Snap Chat‘ entrüstet haben. Denn Hacker entblössten rund 4.6 Millionen Nutzer in dem sie die Nutzerdaten und die zugehörigen Telefonnummern auf eine Webseite für jedermann sichtbar hochluden. Besonders schlimm war dies, weil viele Nutzer in mehreren Netzwerken die selben Benutzernamen nutzen. Die Nutzer können jedoch ein wenig aufatmen, da keine sensiblen Daten wie eben Kartennummern und auch keine Fotos gespeichert wurden.  (Zeit.de – Hacker entblössen 4.6 Mio. Snap-Chat User (Seite 1)) 

Das Schlimmste an der Sache? Die ganze Sache hätte durch bessere Sicherheitsvorkehrungen verhindert werden können. Laut den Hackern war das Zugreifen auf die Daten fast zu einfach und sie raten Unternehmen sich mehr um die Sicherheit ihrer Daten zu kümmern.

„Wir raten Technologieunternehmen, einfach mehr Wert auf Sicherheit und Privatsphäre zu legen, vor allem dann, wenn sie mit großen Nutzerdatenbanken zu tun haben.“ (Zeit.de – Hacker entblössen 4.6 Mio. Snap-Chat User (Seite 2))

Doch nicht nur Chat-Dienste sind vor den Datenklauern nicht sicher. Es wurde bekannt, dass die bereits stark diskutierte NSA sowie der britische Geheimdienst nicht nur Telefongespräche abhörte sondern auch Smartphone Apps wie zum Beispiel das beliebte Spiel Angry Birds oder Google Maps zum Ziel hatte. Es sei geplant gewesen Alter, Geschlecht und weitere persönliche Daten von den Nutzern abzufangen. Scheinbar gehören manipulierte Smartphone Apps zu den wichtigsten Instrumenten der Geheimdienste (Zeit.de – Auch Smartphone Apps sind nicht sicher vor der NSA).

Und so lernen wir doch wieder, dass man nicht einfach alle Nutzungsbedingungen akzeptieren sollte und dass es sich vielleicht gar nicht lohnt überall für alles einen Account zu haben.

 

Der Google Mensch von morgen

Der Mensch ist von Grund auf neugierig und so ist es natürlich, dass wir uns Gedanken über die Zukunft unserer Spezies machen. Wird die Welt untergehen? Haben wir in fünfzig Jahren alle fliegende Autos und einen Haushaltsroboter? Der Star-Physiker und Bestseller Autor Michio Kaku fand heraus, dass besonders Forscher, welche bereits bestehende Entwicklungen weiter gesponnen haben, in der Zukunft recht behielten (Vgl. „Die Zukunft der Menschheit wird fantastisch“ auf welt.de). (Mehr über die Theorien von 300 Forschern kann man in Kakus neuem Buch „Die Pyhsik der Zukunft“ nachlesen.)

Doch nicht nur Forscher, sondern auch Konzerne machen sich Gedanken und testen immer wieder neue Innovationen.

So auch Google. Der Konzern präsentierte 2012 erste Prototypen der sogenannten Google Glass Brille, welche es dem Träger erlaubt, auf verschiedenste Inhalte seines Smartphones zuzugreifen, ohne dass man das Handy aus der Tasche nehmen müsste. So können Anrufe getätigt, Google-Suchen durchgeführt, Fotos oder Videos aufgenommen und noch viele andere Dinge gemacht werden. Auf dem offiziellen YouTube Channel zu den Brillen gibt es verschiedene Videos, wie man Google Glass am einfachsten und effizientesten nutzt. Ausserdem bekommt man einen Einblick, wie ausgewählte Testpersonen mit der Brille leben. Die 10’000 Exemplare welche es von Google Glass bereits gibt, gehören momentan hauptsächlich Web Entwicklern und sogenannten heavy Social Media users, also Personen welche oft im Netz aktiv sind, zum Beispiel Blogger.

Gerüchten zufolge soll jedoch eine Version für den Otto-normal-Verbraucher zumindest in den USA bereits dieses Jahr auf den Markt kommen so berichtet der Googlewatchblog.

Wer sich jedoch eine solche Brille zu tut, muss damit einverstanden sein, Google quasi sein gesamtes Leben mitzuteilen. Denn alles, was man tut, wird über Google gemacht. Google Suchen, Google+, Google Hangouts, Google Maps, die Liste ist endlos und wächst weiter.

Doch Google will noch weiter gehen. Das Ziel ist es, dass der sogenannte Knowledge Graph überall präsent sein soll. Der Knowledge Graph ist bildlich gesprochen ein Vernetzung sämtlicher Informationen. Durch die Verbindungen soll die Google Suche besser verstehen, was man eigentlich sucht. Also das man, wenn man nach „Löwe“ sucht die Raubkatze meint. Der Computer soll nicht mehr einfach nur nach den Buchstaben suchen, sondern nach dem wirklichen Objekt. Der Knowledge Graph ist die Informationsbasis für alles, was man mit Google Now machen kann, über welches Sarah ja schon im Post „Filter Bubbles“ berichtet hat. Nun ist es aber das Ziel von Google, dass eben jene Informationen immer und überall präsent sein sollen und da kommt einem ja als erstes das Gehirn in den Sinn. Ein Chip im Hirn, der die Information direkt einspeist tönt sehr Science Fiction mässig, könnte aber mit der richtigen Technologie und viel viel Forschung irgendwann möglich sein.

Man testet dies heute schon mit körperlich behinderten Menschen. Dabei geht es darum, den Rollstuhl durch Hirnimpulse herum zu manövrieren. Doch wirklich Worte herauszufiltern ist ein ganz anderer und grösserer Schritt und es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis Forscher so weit sind. Doch wie gesagt, Forscher welche bereits bestehende Dinge weiter entwickelt haben, behielten meistens Recht mit ihren Zukunftsvisionen.

Weitere Grundlage für diesen Blog war der Artikel „Inside Google HQ: What does the future hold for the company whose visionary plans include implanting a chip in our brains?“ von Ian Burrell, welcher in der The Indepent erschienen ist.

Humanoid

Erweiterte Realität? Hört sich doch sehr esoterisch an. Hinter dem Begriff verbirgt sich jedoch etwas ganz anderes als Esoterik.

Bei der Augmented Reality, kurz AR, geht es darum, die reale Welt mit digitalen Inhalten anzureichern. In Echtzeit. Was man sich darunter vorstellen kann?

Ein ganz simples Beispiel für AR ist das Einblenden von Entfernungen bei Freistössen bei einer Fussball-Übertragung, beispielsweise mithilfe einer Linie. Wirklich interessant wird’s aber, wenn AR mit Gadgets wie Smartphones genutzt wird: Da gibt es Softwares, die sich der Kamerafunktion und der GPS-Ortung des Handys bedienen und die durch die Kamera sichtbare Umgebung mit digitalen Inhalten überlagern. Dabei schaltet der Nutzer die Handykamera ein und hält sie auf seine Umgebung. Durch die GPS-Ortung weiss die Software genau, wo sich der Nutzer momentan befindet und kann dann, wenn der Nutzer seine Kamera beispielsweise auf ein Restaurant hält, dieses als solches erkennen und bezeichnen. Natürlich ist die angezeigte Information noch viel umfangreicher: Das geht von Restaurant-Bewertungen, die im Internet gemacht wurden, über Wikipedia-Artikel bis zu den genauen Öffnungszeiten. Kurz gesagt bereitet die Software jegliche im Internet gespeicherten und scheinbar nützlichen Daten auf und zeigt sie passend zum Standort an. Das Smartphone wird so quasi ein Fenster zu einer anderen Welt. Ganz schön raffiniert.

Wie das genau funktioniert, erklärt AR-Experte Jan Schlink gegenüber Galileo:

„Augmented Reality, beispielsweise auf einem Smartphone, funktioniert so, dass das Smartphone einen GPS-Sensor hat, einen Kompass und eine Internetverbindung. Und mit diesen drei Komponenten wissen wir, wo die Person ist und können ihr eben in das Kamerabild des Smartphones die Dinge einblenden oder eben integrieren, die sie in dem Moment an dem Platz interessiert.“

Meiner Meinung nach ist AR ein sehr schönes Beispiel dafür, wie man verfügbare Daten zusammenstellen kann, sodass ein Mehrwert für den Nutzer entsteht. Daten werden aufbereitet, sinnvoll verknüpft und meistens visuell eingeblendet. AR ist sehr zeitsparend beim Gebrauch: Wichtige Infos sind sofort „da“ und müssen nicht erst noch mühsam recherchiert werden. Auch Programmierer beschäftigen sich vermehrt mit Augmented Reality: Neu entwickelte Gadgets wie beispielsweise Google Glass nutzen ebendiese Technologie. Der Miniaturcomputer, der auf einem Brillenträger montiert ist, liefert digitale Inhalte und verknüpft sie mit dem aufgenommenen Bild der Blickrichtung des Nutzers. Wo hier wohl die Reise noch hingeht? Zuletzt wird uns noch ein kleiner Chip ins Auge implantiert, sodass unsere Realität permanent eine erweiterte ist. Selber denken ist eh doof.

Freies Gut Information

Eine der wichtigsten Fragen, die sich durch das Internet stellt, ist, welche Information für wen zu welchen Konditionen zugänglich sein soll. Für einige ist klar, dass jeder, Zugang zu den Informationen haben sollte, die ihn interessieren. Für diese Seite stehen Unternehmen wie Wikileaks oder auch Schulen und Informationseinrichtungen. Ihnen stehen Regierungen oder auch Konzerne gegenüber, welche ihre Daten teilweise lieber für sich behalten würden.

Doch wer hat nun recht? Sollte die Bevölkerung geheime Staatsberichte zu lesen bekommen? Oder reicht nicht einfach ein Zugang zu dem wichtigsten Weltwissen, welcher ja für jeden in gewisser Weise durch Bibliotheken, Archive oder Wikipedia und andere Internetdienste zur Verfügung gestellt ist.

Als Wikileaks seinen bisher grössten und bekanntesten Coup durch Bradley – jetzt Chelsea – Manning landete, kam die Diskussion auf, ob es okay sei, wenn durch die enthüllten Dokumente nicht nur der Staat zu Schaden kommt, sondern auch einzelne Individuen mit ins Rampenlicht gerückt werden. Meiner Meinung nach sollten solche Enthüllungen so veröffentlicht werden, dass keine einzelnen Personen in Mitleidenschaft gezogen werden. Was wiederum aber gegen das Prinzip der unzensierten Berichterstattung verstösst. Folglich also von einer Organisation, welche genau aus diesen Vorsätzen handelt, nicht erwartet werden kann. Seit dem oben genannten Fall sind Whistleblower mehr oder weniger zur Tagesordnung geworden und nur noch sehr grosse und skandalöse Aufdeckungen erhalten die nötige Aufmerksamkeit von den Medien (Beispiel Edward Snowden). Doch auch diese Affäre wird in spätestens einem Jahr für die Mehrheit der Menschen in Vergessenheit geraten und die Empörung durch Gleichgültigkeit ersetzt sein.

Doch es soll hier nicht nur um die ethische Frage gehen, was ein Staat tun und lassen sollte und was nicht. Ich möchte auch auf Organisationen wie die Khan Academy oder Coursera.org kurz zu sprechen kommen. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, zu unterrichten. Egal woher man kommt und was man mitbringt. Wer sich weiterbilden, seinen Horizont erweitern oder einfach nur seinen Wissensdurst stillen möchte, ist hier herzlich willkommen. Auch wenn das System noch nicht so ausgefeilt ist, dass jeder einfach von Zuhause aus studieren könnte und der Master dann im Briefkasten landet, so ist man doch auf dem besten Wege durch die sogenannten MOOCs (Massive Open Online Courses) das Hochschulwesen umzukrempeln. Bereits jetzt werden Kurse angeboten, welche mit einem Zertifikat auch belohnt werden. Wer sich nun aber denkt, dass da doch jeder einfach sagen kann, er hätte mitgemacht, der liegt falsch. Wöchentliche Leistungs- oder Hausaufgaben gehören selbstverständlich zum Bestehen dazu.
Meiner Meinung nach kommen diese Konzepte dem Credo Information ist für alle da doch ziemlich nahe. So kann sich jeder über die ihn interessierenden Themen informieren.
Wüssten wir alle alles, gäbe es ziemliche Probleme, da sich niemand mehr für etwas spezialisieren müsste oder auch nur könnte.

Alle Macht dem Internet

„Social Media ist ein Angriff auf die etablierten Regeln der Macht und erzwingt ein grundlegendes Umdenken.“ So lautet die These des deutschen Psychologen und Honorarprofessors für Allgemeine und Organisationspsychologie Peter Kruse (Vgl. Artikel auf WELT.de). Er ist überzeugt davon, dass durch die sozialen Netzwerke immer mehr Macht von den Einzelnen auf die Masse über geht. Einzelne Posts auf Facebook oder kritisierende Videos auf YouTube können einem Firmenimage erheblichen Schaden zufügen. Das musste auch Nestlé lernen, als bei YouTube ein Video auftauchte, in welchem Teile der Produktion des Schokoriegels KitKat für die Vernichtung von Regenwald verantwortlich gemacht wird. Infolge des Videos liess der Konze

Durch das Netz wird vor allem eine jüngere Interessensgruppe angesprochen, welche sich vorher eher weniger um politische Themen gekümmert hat. Heutzutage kann man Präsidenten bei Twitter folgen und mit Hashtags, Tweets und Posts seine eigene Meinung kundtun. So werden die Massen repolitisiert, so Krause. Durch die Freundeskreise wird dann die Meinung weiter verbreitet und spricht wiederum Personen an, welche sonst eher weniger aktiv sind, was Politik etc. angeht.

Durch diese Entwicklung wird der Auftritt im Internet für Politiker und Konzerne immer wichtiger. Wer also etwas verändern möchte, eine Idee verbreiten oder ein Imperium stürzen, versucht heutzutage das Interesse der Öffentlichkeit im Netz zu wecken, anstatt um die Aufmerksamkeit des Fernsehens oder der Zeitungen zu buhlen.  Ein gutes Beispiel dafür sind Webseiten wie Avaaz.org, die es Nutzern erlauben, Petitionen zu eröffnen. Gerade gestern habe ich eine solche Petition unterschrieben. Das Konzept und auch die Ausführung sind dabei so einfach wie möglich gehalten. Ziel dabei bleibt es immer, die Welt zu verbessern. Mit den Worten von Avaaz: „Bürgerpetitionen von Avaaz ermächtigen Menschen durch Online-Tools die Welt zu schaffen, die sich die meisten Menschen wünschen.“ Das Augenmerk liegt dabei darauf, dass sich möglichst viele Menschen eine solche wünschen und nicht jede Petition angenommen wird. Selbstverständlich entstehen dabei Petitionen, die sich vielleicht „nur“ an einen Bürgermeister einer kleinen Stadt richten und wieder andere, die sich an einen ganzen Staat richten.
Screenshot Avaaz.org
Doch wenn die Massen plötzlich so viel Macht haben, stellt sich mir die Frage, wo hier die Grenze endet. Wie weit sollen alle mitbestimmen können, wer soll was machen dürfen im Internet? Die Diskussion zu dieser Frage wurde gerade durch den NSA-Skandal vor zwei Monaten wieder auf Hochtouren gebracht. Wie weit darf ein Staat gehen? Das Internet ist nicht nur Platz für Menschen, welche anderen helfen möchten, sondern bietet auch eine Plattform für kleinkriminelle Machenschaften und Angriffe gegenüber einzelnen Individuen, so wie ich sie bereits in meinen Eintrag über das Cybermobbing besprochen habe.

Die Macht geht also auf die Massen über, die Frage bleibt jedoch, wer wie viel davon haben sollte und wie weit man sie ausnutzen sollte.

Filter Bubbles

Nachrichten werden oft durch das Internet konsumiert. Auch ich lese Nachrichten etc. meistens online und frage mich deshalb, was für Folgen der Online-Konsum von Nachrichten hat. Werden wir als Konsumenten umfänglich informiert?

Bei der Berichterstattung ist es so, dass immer eine Selektion auf mehreren Ebenen stattfindet. Es ist gar nicht möglich, über das gesamte Weltgeschehen informiert zu sein, da dies viel zu umfänglich wäre. Eine erste Selektion findet schon durch die Medien statt, indem sie entscheiden, über was sie berichten und was sie weglassen. Schaue ich also die Tagesschau auf SRF, konsumiere ich schon selektierte Nachrichten – was aber meiner Meinung nach nicht weiter schlimm ist, da es sich bei den Redakteuren, die entscheiden, was wir zu sehen kriegen, um Fachleute handelt. Und ich hoffe, die wissen, was für uns Konsumenten relevant ist.

Konsumiere ich nun aber die Nachrichten über das Internet, habe ich eine schier unerschöpfliche Quelle an Internetseiten, die verschiedene Nachrichten bereitstellen. Klar kann ich mich auf die Seite einer Tageszeitung beschränken, aber die Realität sieht aus meiner Erfahrung eher so aus, dass man sich seine News zusammensucht und quasi von Seite zu Seite springt. Die Folge davon ist, dass man überwältigt wird von der Menge der Artikel, und zwangsläufig beginnt, zu selektieren. Hallo, Wissenslücke.

GoogleNow-ScreenshotNoch schlimmer wird’s, wenn man Dienste wie GoogleNow nutzt. Die haben sich nämlich darauf spezialisiert, einem Inhalte aufgrund des Browsingprofils zu liefern. Ich krieg‘ also nur noch News und Inhalte gezeigt, die mich offensichtlich interessieren. Eigentlich ja ganz toll, oder? Jetzt stellt man sich aber mal vor, man unterstützt eine linke Partei. Natürlich klickt man da bei Suchresultaten auf entsprechende Inhalte – und GoogleNow liefert einem dann nur noch Neuigkeiten bzw. Inhalte, die die linke Partei betreffen. Nun ist es aber von Vorteil, wenn man, als politisch interessierte Person, auch über die Meinung der rechten Partei Bescheid weiss und so zum einen immer wieder neu entscheiden kann, wen man unterstützen will und zum anderen weiss, wie die andere Meinung aussieht. Man kriegt durch GoogleNow quasi Scheuklappen aufgesetzt – die eigene Meinung wird immer mehr durch entsprechende Inhalte untermauert, und andere Sichtweisen kommen gar nicht mehr zum Zug. Dasselbe machen allerdings auch Suchmaschinen mit den Suchresultaten – egal, ob man eingeloggt ist oder nicht. Resultate, die mich eher interessieren könnten aufgrund von vorherigen Suchen, werden höher gerankt als andere. Nicht gerade ideal, meiner Meinung nach.

Video „Digital Society“

Kurze Erläuterung:

Im Video geht es darum, dass sich durch Smartphones, soziale Netzwerke etc. das soziale und wirtschaftliche Leben der Menschen verändert. Theoretisch hat jeder Zugang zum Internet und kann da seine Meinung frei äussern. Daraus entstehen neue Formen der Partizipation und Wertschöpfung. Ausserdem gibt es eine Machtverschiebung in Richtung Bürger- und Verbrauchersouveränität, was zu Konzepten wie Open Source Software führt.

Auch die sozialen Netzwerke sind allgegenwärtig. Die Kontrolle über die Kommunikation wurde durch soziale Netzwerke neu definiert: Nicht mehr nur die Medien wenden sich an die Öffentlichkeit – jeder hat die Möglichkeit, ein grosses Publikum zu erreichen.

Das Internet verändert zudem die Art, wie Innovationen geschaffen werden. Je mehr Ideen im Internet dokumentiert sind, desto grösser ist die Möglichkeit, einzelne Ideen zu kombinieren und neue Innovationen zu schaffen. Diesen Prozess nennt man Open Innovation bzw. Offene Innovation, und sie hat zum Ziel, die Aussenwelt zur Vergrösserung des Innovationspotenzials zu nutzen. Durch das Internet können viele Menschen angesprochen werden, und wo viele Menschen angesprochen werden, entstehen viele verschiedene Ideen, die für das Unternehmen evtl. von Nutzen sein könnten. Der klassische Innovationsprozess wird also aufgebrochen und neu definiert: Im Zentrum steht eine neue Form der Interaktion.

Das Internet kann auch zu Veränderungen bei politischen Institutionen führen: Regierungen werden immer transparenter gegenüber der Bevölkerung und der Wirtschaft mit dem Ziel, mehr Zusammenarbeit und Interaktion zu generieren. Die Demokratie wird also transparenter und aktiver. Open Data Zürich setzt sich beispielsweise intensiv mit der Umsetzung von Open Government Data ein: „Bei Open Government Data handelt es sich um bereitgestellte Datensätze aus öffentlichen Verwaltungen für eine breite Öffentlichkeit in digitaler Form. Die veröffentlichten Datensätze sind maschinell lesbar, kostenlos und zur freien Weiterverwendung gedacht.“

Auch wissenschaftliches Wissen wird durch das Internet frei für jedermann zugänglich. Benutzerfreundliche Internettechnologien haben die Verbreitung von wissenschaftlicher Information fundamental verbessert. Die Verbreitung durch das Internet geschieht ökonomischer und effizienter als je zuvor. Durch diesen sogenannten Open Access wird auch die potenzielle Leistung von Unternehmen in Sachen Innovation erhöht, da evtl. notwendiges, aber fehlendes Wissen frei zugänglich ist.

Die Menschen profitieren vom digitalen Zeitalter auch im kreativen Bereich. Mehr Know-Hows sind auf Foren zugänglich, jeder hat die Möglichkeit mitzumischen, und die Interaktion nimmt zu. So sind beispielsweise Konstruktionspläne, Kompositionen oder Blueprints frei zugänglich und veränderbar.

Schneeballsystem 2.0

Wer kennt sie nicht, die sogenannten Internet-Hypes. Man surft gelangweilt im Internet, googelt dies und das, schaut auf Youtube Videos an – und plötzlich trifft man auf ein unglaublich witziges Video, das man sofort per Facebook teilt, damit die Freunde auch was davon haben. Die Freunde teilen das Video nun ebenfalls per Facebook, Twitter und Co. und so weiter – so entsteht er, der Internet-Hype.

Internet-Hypes sind aber nicht nur Videos, sondern jegliche Art von Content: Es kann sich dabei um ein Bild, um eine verrückte Idee, eine Tondatei oder eben um ein Video handeln. Eine bekannte Form von Internet-Hypes sind Memes. Ein Meme ist ein Bewusstseinsinhalt, welcher entweder wirklich tiefgründig oder einfach nur offensichtlich ist – und meistens ist es humorvoll verfasst. “A meme (rhymes with „team“) behaves like a flu or a cold virus, traveling from person to person quickly, but transmitting an idea instead of a lifeform” (Paul Gil o.J.). Bei einem Internet-Hype ist also nicht die Form, sondern die schnelle Verbreitung entscheidend. Auch charakteristisch ist, dass der Hype viele Nachahmer findet.

Der bisher grösste Internet-Hype war das sogenannte Planking. Hierbei legt man sich einfach stocksteif an die ungewöhnlichsten Orte, macht davon ein Foto und stellt dieses ins Netz. Tausende Menschen haben diese Idee nachgemacht. Aber was ist denn der Sinn dahinter? Was hat man davon?

Mr Wood, 34 Jahre alt, erklärt es gegenüber der Dailymail folgendermassen:

“I started doing it when I was on a lads‘ holiday in Magaluf. I thought lying on the floor would be a funnier way to pose for my holiday snaps. We want people to find the most random places they can – the weirder the better. There’s so much misery around these days, with the recession and everything – this is an excuse to have a joke and do something silly.”

Haben Internet-Hypes bis auf den Spassfaktor also keinen wirklichen Sinn? Werden Hypes deshalb auch als Internet-Phänomen bezeichnet? Nein, denn Hypes können auch gezielt eingesetzt werden, da sie viele Menschen innert kürzester Zeit erreichen: “In der Ukraine zum Beispiel wird Präsident Janukowitschs Fortschrittsgebaren ironisch mit Memes kommentiert, die Jugendlichen in Kairo gehen damit gegen die gesellschaftliche Rückentwicklung unter den Muslimbrüdern vor” (Arte.tv 08.06.2013). Hier werden Hypes quasi als neue Form der Propaganda verwendet – und dies mit Erfolg, denn das Internet erlaubt es, Inhalte viel schneller und an ein viel grösseres Publikum zu verbreiten.

Richtig steuern kann man aber die Entstehung bzw. die Verbreitung eines potenziellen Hypes nicht. Laut Galileo haben US-Programmierer ein Programm entwickelt, welches einem erlaubt, sein Produkt über soziale Netzwerke massenhaft zu verbreiten. Trotzdem ist es alles andere als sicher, dass daraus auch ein Hype entsteht, denn es kommt stark darauf an, ob die Inhalte bei den Leuten gut ankommen und weitergeteilt werden. Hypes zeichnen sich also durch eine sehr hohe Eigendynamik aus, die unvorhersagbar ist. Deshalb ist die Bezeichnung Internet-Phänomen in diesem Zusammenhang meiner Meinung nach sehr treffend.

Internetgesellschaft?

Der Mensch mag es offenbar, der Gesellschaft Namen zu geben. Da hätten wir die Agrargesellschaft, die Industriegesellschaft, die Dienstleistungsgesellschaft, die Wissensgesellschaft und eben auch die Internetgesellschaft. Warum diese Bezeichnungen?

Man kann sagen, dass die Bezeichnungen etwas mit dem aktuellen Paradigma, welches die gesamte Gesellschaft durchzieht, zu tun haben. So betrieb der Grossteil der Agrargesellschaft Landwirtschaft, die Industriegesellschaft definiert sich durch einen hohen Grad der Industrialisierung, bei der Dienstleistungsgesellschaft verlagert sich der Schwerpunkt auf das Erbringen von Dienstleistungen und bei der Wissensgesellschaft ist die Erkenntnis zentral, dass Wissen die Schlüsselressource und Bildung zur Bedingung für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben wird (Zürcher Hochschule der Künste o.J.). Schön und gut. Was ist denn nun eine Internetgesellschaft?

Das Internet spielt heute eine zentrale Rolle im Leben der Menschen. Es ist für den Grossteil der Gesellschaft verfügbar und wird auch rege genutzt. Immer mehr Tätigkeiten verlagern sich ins Internet, es nimmt einen immer grösseren Teil im Alltag des Einzelnen ein. Vom Brief zur Mail, von der Einkaufsliste zur elektronischen To-Do-List, vom Freundschaftsbuch zu Facebook, vom Tagebuch zum privaten (oder auch öffentlichen) Blog usw. Wie schon im Post “Die Sache mit dem Smartphone” erwähnt, begünstigen auch Gadgets wie eben das Smartphone die Nutzung des Internets und so durchdringt es das Leben der Gesellschaft noch mehr, da man nicht mehr nur vom PC zu Hause darauf zugreifen kann, sondern auch unterwegs.

Aber nicht nur im Alltag des Einzelnen ist die Omnipräsenz des Internets offensichtlich. Auch in der Wissenschaft bzw. in der Forschung beschäftigt man sich heute so stark wie noch nie mit der Technologie und den Möglichkeiten des Internets. So sind Internetunternehmen wie Google, eBay und Zalando so bekannt wie noch nie. Vor allem bei Google kann man schön beobachten, wohin die Internetgesellschaft steuern könnte: Erfindungen wie Google Glass zeigen, dass man es sich zum Ziel setzt, das Internet noch mehr im Alltag der Menschen zu verankern und den Zugriff noch einfacher zu gestalten. Hier wird auch der Begriff “Augmented Reality” spannend, was so viel wie erweiterte Realität bedeutet: Die virtuelle Welt und die Realität verschmelzen immer mehr miteinander. Ob der Mensch dazu bereit ist? Die massenhafte Berichterstattung über solche Konzepte spricht meiner Meinung nach Bände.

Da stellt sich dann natürlich früher oder später auch die Frage, ob dieser starke Einfluss des Internets auf das Leben der Menschen auch negativ sein kann – werden wir abhängig vom Internet? Übernimmt es sogar die Kontrolle über unser Leben? Ich denke, dass es durchaus positiv und auch spannend ist, was mit dem Internet heutzutage alles möglich ist. Allerdings ist es auch ein bisschen beängstigend, wie angewiesen wir schon darauf sind: Man beachte nur mal die Reaktionen bzw. die Medienberichterstattung, wenn mal irgendwo ein Server down ist. Auch Hacking ist zu einem grossen Thema geworden, und man muss den Internetnutzern klar machen, dass im Umgang mit Internet Vorsicht geboten ist. Die Leute müssen lernen, richtig mit dem Internet umzugehen, damit Fälle wie ein gehackter e-Banking-Account bestmöglichst vermieden werden können.

Ich denke also, dass es legitim ist, heute von einer Internetgesellschaft zu sprechen – ob man das als positive oder negative Entwicklung ansieht, ist schlussendlich jedem selbst überlassen. Meiner Meinung nach bietet das Internet viele erfreuliche Möglichkeiten; man muss halt nur wissen, wie man verantwortungsvoll damit umgeht.